Villa Imperiale

Geschichte der Villa

Der Name „Imperiale“ kommt aus der Zeit des Habsburgers Kaisers Friedrich III,

der auf seinem Weg nach Rom 1468, bei den Sforzas in Pesaro sich aufhielt und laut der Tradition den Grundstein für das Gebäude legte. Es ist auch wahrscheinlich, dass der erste Architekt der Villa Giorgio Orsini aus Sibenik war, der bereits für die Sforza gearbeitet hatte.

Im selben Zeitraum entsteht in Rimini unter Sigismondo Pandolfo Malatesta, Architekt Leon Battista Alberti, der Malatesta-Tempel, während in Urbino, Federico da Montefeltro den Bau des bekanntesten Palast der Zeit der Renaissance beginnen liess. Auch Pesaro nimmt an dieser wunderbaren künstlerischen Saison teil: aus dem fünfzehnten Jahrhundert finden wir in der Stadt Denkmäler und viele Gemälde von großen Künstlern heute verstreut in Museen auf der ganzen Welt und Zeugen der Wiedergeburt der Stadt.

1512, nach dem Aussterben des Zweiges der Sforza zu Pesaro, erweitern die Della Rovere ihre Domains auf die Stadt .

Sie waren an der Spitze des Herzogtums Urbino seit 1508, dem Jahre des Todes von Guidubaldo, der Sohn von Federico da Montefeltro. Nach der Wahl, Pesaro als neues politisches Zentrum ihrer Regierung, wandelten sie die Stadt mit allen Einrichtungen im Wert von einer Hauptstadt: die Hauptstadt eines kleinen und institutionell fragilen Herzogtums aber dennoch eine Hauptstadt. Von 1516 bis 1521 wurde Francesco Maria Della Rovere gezwungen, sein Herzogtums zu Gunsten des Neffens des Papstes aufzugeben : bei seiner Rückkehr in seine Heimat wollte Francesco Maria I Della Rovere die Wechselfälle seiner militärischen und politischen Karriere in der Villa Imperiale, mit Fresken in acht Räumen dargestellt sehen.

Die acht Zimmer mit Fresken

Die Fassade der Villa Sforza, die aus Backsteinen besteht, wurde teilweise im sechzehnten Jahrhundert verändert: die bereits bestehenden Zinnen wurden abgerissen, während der Turm aufgehoben wurde.

Der Eingang ist durch ein Portalin weißem istrischen Stein,

der den zügellosen Löwen der Sforza im Mittelpunkt des Architravs darstellt. Das Portal ist gekrönt von einem anderen Emblem mit dem Namen des ersten Fürsten – ALEXANDER SFORTIA – und ein Datum – MCCCCLXVIII – Angabe des Jahr des vermuteten Beginns der Arbeiten (1468). Nach der Überquerung des Hofes führt die Treppe zum ersten Stock, mit seinen acht Zimmern mit Fresken aus dem sechzehnten Jahrhundert.

Der erste Raum (der „Schwursaal“)

verdankt seinen Namen nach einem gemalten Wandteppich in der Mitte der Decke: die Truppen schwören in Sermide am Poufer die Treue dem Herzogen (1517). Dieser Raum wurde vor allem von Raffaellino del Colle gemalt.

Der zweite Raum (der „Karyatiden“)

zeigt den Herzog auf dem Schlachtfeld und in einem Kampf um das Herzogtum wieder den De Medici zu entnehmen. Ein Teil der Karyatiden – ein Zitat von Ovid -, die Landschaften und die Dekoration der Decke sind auf den Maler Dosso Dossi aus Ferrara zurückzuführen. Dieser Raum ist der einzige ohne gemalter Architektur.

Im dritten Raum (der „Halbbüsten“)

wirkt der Maler Agnolo Bronzino aus Florenz mit der zentralen Szene an der Decke: der Herzog an der Zeremonie der Krönung Karls V. (Bologna 1530). Dieses Ereignis markiert die endgültige Verwertung des Herzogtums, auch aus institutioneller Sicht. Die “Semibusti” sind vertreten in den Lünetten.

Die Wände des vierten Raumes (ein kleines „Studiolo“)

sind mit Karyatiden verziert, die Landschaften des Panels sind verloren. Die zentrale Szene von der Decke zeigt den Herzog als Hauptmann in Florenz. Die Decke ist auch eine groteske Dekoration mit vier Ovalen in denen der allegorische Frieden dargestellt wird.

Der Raum der kleinen Engelchen ” Cupidos”,

ist auch mit Grotesken, Vegetation, Monochrom-Medaillons dekoriert. In der Mitte der Decke der Name des Herzogs als General-Kapitän der Kirche. Die Verflechtung der Pflanzen und der Landschaften könnte ein Werk von Camillo Capelli –Spitzname il Mantovano- sein.

Im sechsten Raum (der „Hercules“ Arbeiten „)

sind acht Lünetten gemalt mit Episoden aus dem Mythos des Herkules. An den Wänden Dekorierungen mit Monochrom-Ritter, gemalte Wandteppiche, und Szenen der Mythologie mit den Themen wie Liebe: „Vulkan schmiedet Pfeile für Eros“, „Psyche beobachtet den schlafenden Eros“, „Danae und der goldene Regen“. Das Gewölbe zeigt eine groteske Dekoration und vier Medaillons mit „Venus und Amor“. In seinem Zentrum finden wir den Dogen Andrea Gritti: Er überreicht Francesco Maria I den Marschallstab.

Es folgt im siebten Raum (der „Flüsse“),

die sinnbildliche Darstellung der Flüsse Metauro, Foglia, Marecchia, Rubicone, Tevere, Arno, Po, Tronto, Misa. Sie werden durch monochrom liegenden Männer personifiziert, gemalt nach Kartons von Agnolo Bronzino. Die flache Decke enthält Papiermaché-Boxen mit den Initialen von Francesco Maria (FM) und seiner Frau Leonore (LE), zusammen mit Allegorien wie den Lorbeerkranz mit Palmenäste , Ochsenschädel, Einspannungswerke Der Raum ist auch dank einer Halbbüste des Papstes Clemens XI aus dem XVIII Jhr. geschmückt.

Der achte und letzte Raum (der „Verleumdung“)

stammt fast vollständig von der Hand Raffaellino del Colle. Dieser Raum, zusammen mit dem ersten , wurde wahrscheinlich beuftragt, um hochrangige Persönlichkeiten auf ihren Besuch zu empfangen.
Die Fresken an den Wänden zeigen die „Verleumdung des Apelles“ (der Herzog spielt die Rolle des Unschuldigen), die Apotheose des Unschuldigen (erneut der Herzog) in Anwesenheit einer wohlwollenden Göttin zwischen Fruchtbarkeit – eine Frau mit Weizenohren – , des Friedens – eine Frau die die Waffen verbrennt, der drei theologischen Tugenden – Hoffnung, Glaube und Barmherzigkeit – und im Einklang mit allen Themen, Diana von Ephesos.

In Zimmer der Verleumdung (oder Zimmer der Sternkreiszeichen)

sind monochrome Szenen in den höchsten Teilen der Wände gemalt die nur vor kurzem “gelesen” und interpretiert wurden, wie die Phasen der Einleitung einer jungen Frau, und die Verehrung der Göttin Isis. Der Besuch der acht Zimmer können wir in drei Abschnitten eingliedern: die ersten drei Räume beziehen sich auf die Rückgewinnung des Herzogtums nach dem politischen Exil in Mantua; die folgenden drei Räume zeigen die politisch-militärische Laufbahn von Francesco Maria I.

Die letzten zwei Zimmer zeigen,

die politischen Ereignisse seines Lebens und sind auch Zeugen der verfeinerten Kultur seiner Frau Eleonora Gonzaga, die mit vielen Zitaten aus der klassischen Welt und Kultur erinnert wird.

Jedes Zimmer weist auf eine Vielzahl von Pflanzenarten:

ein echtes botanisches Handbuch vieler Pflanzen der alten Welt vor der Entdeckung Amerikas.
Im sechzehnten Jahrhundert hatten die Della Rovere andere Villen am Hügel San Bartolo (heute regionaler Naturschutzpark) : 1583 in der Nähe der Imperiale, in der Gegend des heutigen Leuchtturms, begann Francesco Maria II, Neffe von Francesco Maria I, den Bau der „Vedetta“ (heute verschwunden) nach einem Plan von Girolamo Arduini.

Ein weiteres verschwundenes Gebäude war die Villa della Duchessa,

gebaut von Ippolito Della Rovere, der Vater von Livia, die zweite Frau des letzten Herzogs von Urbino. Die Villa della Duchessa wurde wahrscheinlich im heutigen Vorort von Soria gebaut. Auch dieses Gebäude kann man nur in der Malerei der Zeit, wie zum Beispiel in einer Zeichnung von Francesco Mingucci (1626) bewundern. Diese Villa kann mit der “Villa von Soria” identifiziert werden , die in einer Karte im Staatlichen Archiv von Florenz aufgehoben wird.

Die neue IMPERIALE

Die im sechzehnten Jahrhundert erbaute Villa, neben der bestehenden Wohnung der Sforza, ist ein Entwurf des Architekten Girolamo Genga aus Pesaro, der auch Maler und Bühnenbildner war. Das Gebäude entsteht im Zeitraum zwischen dem dritten und vierten Jahrzehnt des sechzehnten Jahrhunderts und zur Erfüllung der Anforderungen des neuen Della Rovere Hofes. Die neue Imperiale ist als Denkmal errichtet und bildet nebenbei ein Beispiel des kulturellen und politischen“Spieles” und ihrer „Repräsentation“.

Die neue Villa ist terrassenförmig auf drei Ebenen am Hang des Hügels San Bartolo organisiert.

Die wichtigsten Fragen des Architekten in seiner Architektur sind das Verhältnis zur Antike, die Wahl der Baumaterialien, die Elemente der klassischen Architektur die zusammen “gebastelt” und montiert werden.
Genga findet überraschende architektonische Lösungen in der neuen Villa : Vollständig- zugängliche Flachdächer komplett mit Geländer, völlige Unabhängigkeit zwischen Aussen (Natur) – und inneren Räumlichkeiten, exzentrischen Pläne der Hallen, gewundene Korridoren. Dieses komplizierte System der funktionellen Zusammenhänge ermöglicht den Zugriff sowohl auf die neuen Räume, vor allem auf der Seite mit Blick auf das Foglia-Tal und in den Gärten. Auf der anderen Seite, wenn man bis zu den oberen Gärten steigt , vereinfacht sich schrittweise die Architektur . Alle diese Teile der neuen Villa neigen eine Assoziation zwischen der Architektur und der umgebenden Natur zu schaffen.

Die wichtigste Protagonistin des kulturellen Lebens des Della Rovere Hofes war die Herzogin Eleonora Gonzaga,

die Gattin von Francesco Maria I. della Rovere. Es war Eleonora, als ihr Mann, immer abgelenkt von den militärischen und politischen Ereignissen seiner Zeit, mit der nötigen Aufmerksamkeit alle beteiligten Künstler in der Ausführung ihrer Werke in der Villa folgte. Ein wichtiger Beweis dafür sind die zwei Inschriften, die von Pietro Bembo zu Ehren der Herzogin Eleonora erdacht wurden und auf der äußeren Fassade heute zu bewundern sind – FRANCESCO MARIAE DUCI METAURENSIUM A BELLIS REDEUNTI LEONORE ANIMI EIUS CAUSA VILLAM EXAEDIFICAVIT (Francesco Maria, Herzog der Menschen aus dem Metauro, zurück aus dem Krieg, seine Frau Leonore widmet den Bau dieser Villa für seine Freude) – und imInnenhof – PRO SOLE PRO PULVERE PRO VIGILIIS PRO LABORIBUS UT MILITARE NEGOTIUM REQUIETE INTERPOSITA CLARIOREM LAUDEM FRUCTUSQUE UBERIORES PARIAT (So, dass – wie eine Belohnung für die Sonne , den Staub, die schlaflosen Nächte, die Arbeit – die militärische Aktivität in Verbindung mit dem Rest den breiteren Ruhm der größeren Leistungen).
Eleonora Gonzaga, wie ihre Vorgängerinnen Battista Sforza und Elisabetta Gonzaga, ist die wahre Seele des kulturellen Lebens des Hofes von Pesaro und Urbino. Eine weitere Inschrift auf der äußeren Fassade befasst sich mit den Arbeiten die von den heutigen Besitzern- die Albani Familie-, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts begonnen wurden um die Villa wieder in ihrer Herrlichkeit den Besuchern vorzustellen : AEDES MEMORIA INSIGNES AEVO LABENTES IN INTEGRUM RESTITUITAE ANNO MCMIII.

PESARO, VILLA IMPERIALE – VISITE GUIDATE 2019

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